It's a cruel summer...

Während ich das hier schreibe, steigen schon wieder die Temperaturen und ich überlege mir, ob ich die kommenden Tage bei Edeka oder Rewe als Aushilfe unterkomme. Einfach mal so acht Stunden an der Frischetheke und ich wäre wieder ein Mensch. Kreatives Arbeiten und innovative Prozesse bei über 38 Grad funktionieren nämlich nicht wirklich.

 

Apropos Kreativität.

Apropo KI.

 

Es ist mir ein dringendes Bedürfnis mich hierzu mal zu äußern. Und nein, hier kommt nicht das drölfte Webinar "So erstellt KI deinen Content für Social Media und schreibt dir deine Spendenbriefe". Denn was ich gerade im Zuge dieses Trends, Gehirn und Kreativität auszulagern, wahrnehme, sind ziemlich dröge Texte und Contentideen. Texte, bei denen man eine gewisse Kälte spürt. Alles ist glatt. Viel zu glatt. Alles lieb und nett aber eben das: lieb und nett.

 

Slop. Slop. Slop.

 

Ganze Webseiten nebst der Texte werden mittels KI erstellt und so sehen sie dann auch aus. Die Gesetze von Corporate Design und Markenbildung durch ein paar Prompts völlig außer Kraft gesetzt.

 

Versteht mich nicht falsch. Ich nutze KI. Dort wo es passt und wo sie mir fisselige, kleinteiligen, sterbenslangweilige Arbeit abnimmt. Ich finde KI großartig dort wo sie ihre Wirkung richtig entfaltet. Aber an meinen Kopf, an meine Kreativität lasse ich sie nicht ran.

 

Wir Fundraiserinnen und Fundraiser sind kreative Menschen.

Wir entwerfen zivilgesellschaftlich notwendige Konzepte für heute und für die Zukunft.

Wir sind in der Lage zu abstrahieren und im Anschluss die Einzelteile wieder gedanklich zusammensetzen.

 

Das sind kreative Prozesse.

 

Wir sind empathisch und feinfühlig und spüren oft schon lange vor einer gesellschaftlichen Entwicklung wohin sich der Tross bewegt. Wir erschaffen Neues und sind in der Lage schnell die Richtung zu ändern, wenn wir merken, dass wir uns "verlaufen" haben.

 

Du fragst dich, woran ich merke, dass KI immer öfter unseren Kreativ-Job macht?

 

Ein Beispiel von vielen.

 

Seit geraumer Zeit sehe ich vermehrt Spendenaktionen, bei denen ich mich frage, durch welchen KI-Slop die entstanden sind. Verkopft, erklärungsintensiv, umständlich und oft an der Zielgruppe vorbei geplant. Manche sind sogar so unempathisch, dass sie in Arm und Reich bewusst teilen. Nichts passt zur Organisation, zu deren Aufgabe und Mission. Zu deren Herzblut.

 

Wir haben einen wundervollen Beruf, in dem wir uns ausdrücken können. Wir erleben Sinnhaftigkeit und können wirklich etwas verändern auf dieser Welt.

 

Warum sollten wir diese Möglichkeit verwässern lassen durch ein Tool, das uns unsere kreativen Denkprozesse abnehmen will mit dem vagen Versprechen, dass wir dadurch schneller fertig sind, nur um uns am Ende ein durchschnittliches Einerlei auszuspucken?

 

Das können wir doch besser.

Viel besser.

 

Holen wir uns das zurück wofür wir angetreten sind!

In diesem Sinne...Ich gehe jetzt rüber in den Supermarkt meiner Wahl und lege mich in die Frischetheke.

 

Eure Sabine

 

PS. Als Slop [slɔp] (auch KI-Slop, von englisch AI slop, zu slop „Fraß“, „Nassmüll“[3]) werden Medieninhalte – einschließlich Text und Bilder – von niedriger inhaltlicher Qualität bezeichnet, die mithilfe von generativer künstlicher Intelligenz erzeugt werden. Der um 2022 geprägte Ausdruck ist, ähnlich wie Spam, abwertend konnotiert. Der US-Wörterbuchverlag Merriam Webster erkor „slop“ 2025 zum Wort des Jahres.[4] (Quelle: Wikipedia)

 

PPS. Über die klimatechnischen Auswirkungen hat Erin Brockovich recherchiert. Hier findet ihr den Data Center Report

 

PPPS. Im August bin ich, wie jedes Jahr, in der Sommerfrische. Wir sehen und hören uns wieder im September.